Chronik unserer Gemeinden in und um Dresden

An dieser Stelle soll in loser Folge aus der Geschichte der Adventgemeinden in und um Dresden informiert werden. Grundlagen sind Zeitzeugenberichte und Auszüge aus Chroniken. Da alles Wissen Stückwerk ist, werden Hinweise und Ergänzungen jederzeit gern entgegen genommen.

2015 – Was uns im Adventhaus bewegt hat

17. Januar Gebete. Nach dem Gottesdienst beginnen Geschwister mit den regelmäßigen Gebeten für die Stadt und den Frieden.

7.  Februar: Benefizkonzert. Beim Benefizkonzert für eine Schule in Tansania kommen 1.650,-Euro zusammen.

8. März: Wandertag. Die Gemeindewanderung ist wie immer gut besucht. Einundzwanzig Erwachsene und drei Kinder stiefeln durch den Poisenwald, südlich von Dresden.

2.  Juli: Seniorenausflug. Vierzig Senioren aus dem Adventhaus und dem Gemeindezentrum Dresden-West reisen mit dem Bus nach Potsdam. Mit Pastor Detlef Hummel tauchen sie in die brandenburgisch-preußische Geschichte ein.

Gemeindefoto Adventhaus Dresden

29.  August: Pastorenwechsel. Detlef Hummel nimmt Abschied von der Gemeinde, bleibt aber in Dresden und damit weiterhin erreichbar. Neuer Pastor wird Simon Krautschick.

26.  September: Jugendstunde. 30 Menschen „reisen“ bei der offenen Jugendstunde für zwei Stunden mit Ingrid Martin nach Bolivien. Im Vortrag „Mit Gottvertrauen im Gepäck“ gibt es Einblick in die Kultur des Landes und in den Alltag in einem Kinderheim.

25.  Oktober: Flüchtlingsfrage. Interessierte Gemeindeglieder reden über ihre Gedanken und Gefühle. Unser Pastor setzt den Rahmen für eine offene und mitfühlende Atmosphäre.

12.  November: Kinder helfen Kindern. Eigentlich ist dieser Donnerstag kein besonderer Tag. Doch fleißige Hände bereiten im Adventhaus die Pakete der Aktion „Kinder helfen Kindern“ vor. Insgesamt 258 Pakete treten in diesem Jahr die Reise nach Litauen an.

Wir trauern um Schwester Renate Klingner und Bruder Werner Kusch und glauben fest an ein Wiedersehen. Wir freuen uns über die Geburt von Grace Aimée.

Zusammenstellung: Gemeinderat Adventhaus

2013 – Wie alles begann – Treffen der Gemeinden Meißen und Weinböhla

Zur Gebetswoche im November 2011 kam die Anfrage nach einer gemeinsamen Lesung. Da in Meißen der Raum in der Woche nicht so genutzt werden kann, trafen wir uns im frisch renovierten Gemeinderaum in Weinböhla zur „Gebetslesung mit Dias“ mit Gottfried Schmidt. Am 24. Dezember 2011 schloss sich gleich noch unser gemeinsamer Gottesdienst an. Das hat allen so gut gefallen und es bestand der Wunsch nach Wiederholung. Gleichzeitig stellten wir den großen Bedarf nach einem Treff außerhalb des Gottesdienstes fest.

Viele Gedanken und Überlegungen bewegten uns und wurden zu einem festen Gebetsanliegen. Am 7. März 2012 war es endlich soweit und unser 1. Treffen startete – jetzt sind wir schon bei Nr. 17 angekommen.

Anfangs war das eine echte Herausforderung, da wir ohne Küche bzw. andere Nebenräume auskommen müssen. Aber wie heißt es? „Not macht erfinderisch“ und so haben wir uns ganz schön „eingefuchst“. Unter dem Motto „Jesus in unserer Mitte“ treffen wir uns nach Möglichkeit jeden 2. Mittwoch im Monat zur Betrachtung von Gottes Wort – Kurzgeschichten – Rätsel/ Denksport und auch die gemeinsamen Gespräche und das Kaffeetrinken dürfen nicht fehlen. Unsere monatlichen Themen sind ganz vielfältig: Gedanken zum Psalm 23 – Behüte dein Herz – Naturblicke mit Turmbesteigung – Reisen mit Paulus – Gegenseitige Annahme – Glauben in vergangenen 100 Jahren – Gewürz-/Kräuterkunde – Fahrradtour durch Israel – Wissenswertes über unser Gehirn – gemeinsames Singen – Einladung zu Familie Hille in den Garten.

ALLEN Beteiligten, die zu einem guten Gelingen beigetragen haben und werden, die für unsere leibliches Wohl sorgen usw. – je nach ihren Gaben – möchten wir DANKE sagen, auch an Gottfried Schmidt für seine Zuarbeiten und Fahrdienste sowie an unsere Pastoren von Dresden und Umgebung für ihre Hilfe. Wer uns mit einem Thema unterstützen möchte, darf sich gern bei uns melden!

Im Durchschnitt dürfen wir 12 Geschwister und Freunde begrüßen. Wir wünschen uns weiterhin interessante Themen, ein gutes Miteinander und würden gern weitere Glaubensfreunde treffen.

Roland und Petra Haase, Adventgemeinde Weinböhla

1991 – Wachstum und Zurüstung in Großröhrsdorf

Wir schreiben das Jahr 1991. Die Gemeinde Großröhrsdorf wächst und sucht größere Räume. Die Suche führt zu einem unerwarteten Ergebnis. Denn der Blick der Gemeinde ist weit und der Glaube groß. 

Rückblick: Nach der Gründung der Gemeinde 1912 hatte Schwester Sümmchen die Gemeindeleitung übernommen und die Gemeinde 18 Jahre lang geführt. Ihr folgten Bruder Ernst und Bruder Mütze ins Amt. Ab 1971 wirkte Bruder Rohr 20 Jahre segensreich als Gemeindeältester. Während der 70 Jahre des Bestehens der Gemeinde kümmerten sich fünf Schwestern sehr liebevoll um die Kinder und organisierten die Kinderarbeit in der Gemeinde:

Die Kinder lernten in der Kinderschule Gottes Wort kennen und lieben. Im Jahr 1991 gehörten der Gemeinde 6 Kinder im Alter von 3-7 Jahren an. In der Chronik wird weiter ausgeführt:

„In den Jahren ihres Bestehens erlebte die Gemeinde als Vorsteher die Brüder Stöckner, Öhme, Müller, Budnick, Brinkmann, Hambrock, Wagner, Helm, Schulz, Binanzer, Hölzel und jetzt Bruder Sensenschmidt. Die Botschaft vom Heiland der Welt als Erlöser und kommenden Weltregenten verkündeten hier die Brüder Patzig, Dwehus, Hambrock, Heinrich, Thalmann, Kreuse, Bürger, Neumann, Fenner, Lusky, Thiemann, Geserick, Hampel, Irmer, Köhler, Amelung, Edel, Binanzer, Knoll, Graupner, Gauger, Schramm und jetzt Bruder Zimmermann.“

Die Gemeinde wuchs in der Gemeinschaft mit Gott. Jedoch, die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten für die Gemeinde waren zu klein und sollten vergrößert werden. Die Geschwister leiteten nun alle Wege ein, um das zu diesem Zeitpunkt genutzte Gebäude zu kaufen. Aber wir schrieben das Jahr 1990, die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit der Bundesrepublik veränderte vieles. Aus finanziellen Gründen war es nicht mehr möglich das Gemeindehaus zu kaufen und die Vereinigungsleitung schlug nun der Gemeinde Großröhrsdorf vor, sich der Gemeinde Ohorn anzuschließen.

Die Entscheidung fiel den Geschwistern nicht leicht. Aber in der Chronik wird weiter vermerkt: „Wir haben am 12.01.1991 in Ohorn mit den Geschwistern uns abgesprochen, das heute am 26. Januar 1991 der letzte Gottesdienst auf den Tag, ein Jubiläumstag das 70 jährige Bestehen der Gemeinde und des Auflösen ist.“  Die Gemeinde Großröhrsdorf schloss sich der Gemeinde Ohorn an.

Zusammenstellung: Heidi Göritz/ Begleitung: Andreas Schrock

1945 – Der 13 Februar, Menschen und ihre Geschichte  

Die Menschen im Umland von Dresden haben die Luftangriffe in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 auf eigene Art erlebt. Karin Kusch, geb. Buruck (Adventhaus Dresden) war damals vier Jahre alt und lebte mit ihrer Familie in Hänichen, ein paar Kilometer südlich von Dresden:

„Wir wohnten im Schulgebäude, mein Vater war dort Direktor. Er war mit meiner Mutter zum Skatabend, die Frauen hatten ihre Extrarunde in einem Damenzimmer. Dann hörten sie Nachrichten, mein Vater sagte „Mir wird das zu brenzlig, wir gehen heim“. Auf dem Heimweg sah er die Christbäume, die Positionslichter, die die Bomber absetzten. Dann sind wir alle in den Keller der Schule und haben gewartet. Wir haben nichts gesehen, auch nicht richtig gehört. Es war auch kein Krachen, mehr ein Getöse. Es war ein Windzug, als würde jemand Durchzug machen. Es war ein Feuersturm. Meinem Großvater riss es die Haustür aus der Hand, so stark war der Sturm.

 Wir warteten im Keller. Da waren Soldaten, Franzosen und Holländer. Ein Holländer nahm mich auf den Schoß. Dann gab es einen Knall, das Fenster fiel in den Keller. Wir waren ganz still. Am nächsten Morgen sahen wir, dass in der Nähe eine Granate explodiert war.  Gegen halb drei gingen meine Eltern auf die Höhe und sahen die brennende Stadt. Sie glühte. Meine Mutter weinte.“

Die Zahl der Todesopfer unter den Adventisten in Dresden ist bis heute unbekannt. Die Nordostsächsischen Vereinigung listet 1949 im „Adventboten“ 31 Todesopfer auf. Die Chroniken berichten von 35 Gliedern und neun Kindern, die ums Leben kamen. Nach mündlicher Überlieferung sollen es 46 Glieder gewesen sein.

Gertraude Wehner (ehem. Adventhaus Dresden) verlor in dieser Nacht insgesamt 13 Familienmitglieder, in und außerhalb der Gemeinde. Die Lücken in der Familie sind bis heute – über 70 Jahre danach – deutlich spürbar.

Zusammenstellung A. Schrock

 

1920 – Die Gründung der Adventgemeinde Großröhrsdorf

 

Sachsen: Wir schreiben das Jahr 1918. Nach gewaltsamen Zusammenstößen wurde auch hier am 10. November die Republik ausgerufen. Die Menschen, durch den Ersten Weltkrieg in ihrem Glauben an das Gute erschüttert, suchten nach neuen Hoffnungen, nach einer Zukunft. Aus diesem Grund stillten Predigten ein großes Bedürfnis. Auch in Großröhrsdorf.

„Am 4. Februar 1920 hielt Bruder Patzig den ersten Evangelisationsvortrag im Gasthof „Zum Grünen Baum“. Er verstand es, die Erfüllung des prophetischen Wortes klar und anschaulich darzulegen. Auch Bruder Stöcker, der damalige Vorsteher, reihte sich in die Wortverkündung mit einem Vortrag ein.“ 

Sie beantworteten damit dringende Fragen, mit denen sich die Menschen auseinander setzten. „Schon im Juni desselben Jahres sahen die Brüder die Frucht ihrer Bemühungen, als die Schwestern Sümmchen und Else Schurig getauft werden konnten. Vier Wochen später entschlossen sich zu gleicher Hingabe an den Heiland die Schwestern Schurig (Mutter), Lina Schurig und Uhlig.“

Das neue Lebensgefühl der jüngeren Generation nach dem Ersten Weltkrieg beinhaltete auch eine neue Entdeckung von Werten – Leben – Gemeinschaft. „Sabbat für Sabbat wanderten diese Schwestern freudig nach Ohorn zum Gottesdienst. Zuweilen legten sie diesen Weg sogar zweimal am Tag zurück: zum Gottesdienst am Vormittag und nachmittags zur Jugendstunde. Und das alles zu Fuß! Gegen Ende des Jahres 1920 folgten dem Herrn durch die Taufe noch die Schwestern Kreilich, Mittag und Schelle.“ 

„Im Januar 1921 wurden diese Geschwister dann zu einer Gemeinde zusammengefasst. Die Versammlungen fanden nun in Großröhrsdorf statt. Zumeist hielten sie den Gottesdienst in dem Heim von Schwester Schurig (Mutter) ab. Bruder Beier aus Pirna kam zu den Geschwistern um ihnen mit dem Wort Gottes zu dienen.“

Zusammenstellung: Heidi Göritz/ Begleitung: Andreas Schrock (Zitate aus der Gemeindechronik)

1918 – Königstein – „…eine nette, aufblühende Gemeinde.“

Die Adventgemeinde Königstein und ihre Gründung vor knapp 100 Jahren ist ein wenig ins Vergessen geraten. Dabei verrät die Sprache viel vom Glauben und der Hingabe dieser Zeit. So berichtet der „Zions-Wächter“ am 16. September 1918:

„Seit drei Jahren hat unsere Botschaft auch in Königstein Fuß gefaßt. Anfangs schien es, daß man vergeblich arbeite. Neben der königlichen Landesfestung (Anm.: Festung Königstein) hat der Fürst dieser Welt seine Position aufgerichtet; er wollte das Elbtal dem Evangelium sperren. Das Sandsteingebiet ist ein harter Boden. Es kostet den Sämann viel Mühe und Arbeit, es zu bearbeiten. Aber wie dem auch sei, brauchen wir doch nicht von einer vergeblichen Arbeit reden. In Königstein haben wir heute eine nette, aufblühende Gemeinde.

Am 29. Juni d.J. versammelte sich die Gemeinde unter Br. Hennig`s Leitung, um ein neues Versammlungslokal einzuweihen. Viele Geschwister und Freunde der Wahrheit aus Nachbargemeinden teilten den Freudentag mit Königstein. Nach der Eröffnung der Feier sprach der Schreiber (Anm.: Karl Rose) über Gottes Fürsorge für sein Volk auf Grund des 23. Psalms. In der folgenden Ansprache führte Br. Hennig das Thema über die persönliche Heiligung aus. Darauf verkündigte Schw. Meyer das Lob des Herrn mit dem 111. Psalm.

Chorlieder und andere Vorträge an Gedichten usw. von groß und klein erhöhten die Feierlichkeit. Die Versammelten im Vorhof des Herrn brachten ein Geschenk von 52,– Mark zur Förderung des Werkes. Ein Loblied und Gebet bildeten den Schluß des Festes. Durch diesen Anlaß ist das Licht auf den Leuchter gesetzt;  möge es nun leuchten zum Heil und Segen der Menschen und zur Ehre Gottes!“

Am 30. Juni 1991 wurde die Adventgemeinde Königstein wegen Überalterung aufgelöst. Die verbleibenden Geschwister schlossen sich der Gemeinde Pirna an.

1914 – 1918 Die Adventgemeinden im Raum Dresden

Die Zeit von 1914 bis 1918 hat in den Gemeindechroniken nur wenige Spuren hinterlassen. Eine Deutung ist nicht einfach. Es scheint, als habe der Weltkrieg die Missionstätigkeit in der Heimat beflügelt. Und das Bedürfnis der Menschen nach Gottes Wort verstärkt.

Die Adventgemeinde Nossen, die am 1. August 1914 mit 15 Gliedern gegründet wurde, bemerkt rückblickend: „Durch Gottes Gnade erlebte die Gemeinde ein erfreuliches Wachstum, so dass sie am Ende des Jahres 1914 schon 22 Glieder zählte.“ In Radeberg wird im Januar 1915 „die Seelenarbeit“ wieder aufgenommen und am 2. Oktober mit 11 Gliedern eine Gemeinde gegründet. Im Jahr 1915 beginnt auch die Missionstätigkeit in Königstein.

In Pirna wird am 28. Januar 1916 sogar ein Gemeinde-Jugenddienst ins Leben gerufen. Und die Gemeinde Riesa berichtet: „In den Kriegsjahren 1915-1918 wuchs das Interesse am Wort Gottes durch das Wirken des göttlichen Geistes und die Mitarbeit der Geschwister. Bereits 1918 musste ein größerer Saal gesucht werden.“

Die Gemeinden befinden sich durch ihr Wachstums in ständigen Umzügen. So zieht die Gemeinde Dresden-Altstadt 1915 von der Serrestraße in die Prager Straße 49. Die Gemeinde Dresden-Löbtau verließ schon 1913 ihr Gründungsdomizil (Gaststätte Reisewitzer Straße 35) und mietete sich in der Poststraße 13 ein.

Die Gemeinde Meißen, die mit Kriegsbeginn noch 42 Glieder zählte, ist die einzige, die über Verluste klagt: „Der erste Weltkrieg riss starke Lücken in die Gemeinde und liebe Brüder wurden dessen Opfer.“ In der Folge wurde die Gemeinde vorübergehend aufgelöst. Die verbleibenden Geschwister schlossen sich der Gemeinde Weinböhla an.

Und die Chronik der Gemeinde Neustadt in Sachsen berichtet:  „Bei Kriegsausbruch bestand die Gemeinde aus 22 Gliedern. Obwohl fünf Brüder zum Kriegsdienst eingezogen wurden, kehrten durch Gottes Führung alle wohlbehalten wieder heim.“

Zusammenstellung A. Schrock

 

 

 

1914 – Ein Feldpostbrief

Am 17. Oktober 1914 schickte Otto Schildhauer, der zuletzt die Adventgemeinde Weinböhla gründete, einen Brief von der Westfront. Die Empfänger gaben ihn an den „Zions-Wächter“* zum Abdruck. Deutschland befand sich erst zehn Wochen im Krieg.

„Liebe Geschwister Schubert! Friedensgrüße aus dem Krieg zuvor. Gegenwärtig kämpfen wir um Arras. Heute soll ein Parlamentär – wegen Übergabe von Arras – kommen, sonst gibt es in 48 Stunden Sturm. Das erste, was ich morgen früh machen werde, wird Kühe melken sein, und dann wollen wir Kuchen backen. Hoffentlich kommt kein „wenn“ dazwischen. Überhaupt ist der Krieg, da wir im Süden waren und nun im Norden sind, besonders interessant. Aber ach, die verlassenen Ortschaften, verwüsteten Äcker, halben Ernten und zerschossenen Heime (allerdings durch eigenes Verschulden, indem Zivilisten auf unsre Truppen schießen) – da denkt man an des Propheten Worte: „Denen, so durchs Schwert starben, geschah besser, denn denen, die Hungers starben.“  O, nicht nur fürs Vaterland im Allgemeinen, auch für den Schutz meiner lieben Geschwister, für ihr Wohlergehen wage ich meine Seele in den Tod.

Grüße bitte die Gemeinde von mir und meine l.* Frau und natürlich alle im Hause. Ich bin dem Herrn sehr dankbar für seine, alles Irdische übersteigende Wahrheit. Wahrlich, man fragt nichts und doch erhält er mein irdisches Leben täglich, während andere in die Grube fahren. Geld braucht man hier nicht, und so war ich froh, neulich meinen Kriegszehnten für die letzten zwei Wochen nach Hause schicken zu können, per Post, wozu nicht immer Gelegenheit ist.

Herzliche Grüße, auf Wiedersehen

Euer Otto Schildhauer.“

(Brief gekürzt)

*Zions-Wächter: Erste Ausgabe 1894. Vorläufer von „Adventisten heute“. Erinnert in seiner Themenbreite und Offenheit an heutige soziale Plattformen im Internet: Veröffentlichung von persönlichen Briefen, Erlebnisberichten, Treffpunkten, Suchanzeigen, Gesundheitstipps, Todesnachrichten, Finanzberichten, Jobvermittlungen und vieles mehr.

 *l. (auch lb.): Taucht in historischen Dokumenten immer wieder auf und steht für „liebe…“. Warum unsere Adventpioniere in Deutschland für so ein wichtiges Wort nur eine Abkürzung übrig hatten, wird wohl vorerst ihr Geheimnis bleiben.

Zusammenstellung A. Schrock

 

1914 – Die Adventgemeinden und der Ausbruch des ersten Weltkrieges

Deutschland trat mit der Kriegserklärung gegen Russland am 1. August 1914 in den Weltkrieg ein. Es war an einem Sabbat (Sonnabend). Die noch jungen Adventisten im Raum Dresden steckten in einer Welle von Gemeindegründungen.

Die Chroniken der Gemeinden berichten nichts vom Ausbruch des 1. Weltkrieges. Trotzdem geben sie Hinweise auf die Stimmung und den Glauben der Adventgemeinden im Raum Dresden. So wird am 1. August, dem Tag der deutschen Kriegserklärung, die Gemeinde Nossen gegründet. In Radeberg steht die Gründung der Adventgemeinde bevor. Immerhin hatte Bruder Otto Schildhauer im „Deutschen Haus“ bereits 1912 die Drei-Engels-Botschaft verkündigt und vier Menschen getauft. Eine rege Missionstätigkeit gab es auch in Kamenz, Königstein und Ohorn.

Mit dem Königreich Sachsen lagen die Adventisten im Dauerstreit, denn sie verstießen im Missionseifer gegen das „Gesetz über Kultusfreiheit“. Danach durften sie keine kultischen (religiösen) Beziehungen zu Gliedern der evangelisch-lutherischen Landeskirche pflegen. Der Staat reagierte 1912 mit der Auflösung der Kindersabbatschule in Dresden. G.W. Schubert fasste die Stimmung im „Zions-Wächter“ so zusammen: „Noch niemals ist der Widerstand stärker gewesen als dies Jahr, und noch niemals habe ich die Macht Gottes so in unsern Versammlungen ruhen sehen wie gegenwärtig.“

Die Adventgemeinden im Jahr 1914

Hauswand im Dresdner Norden 2014, genau 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges

  • Arnsdorf: 12 Glieder
  • Dresden-Löbtau: 11 Glieder (1911)
  • Dresden-Altstadt: nicht bekannt
  • Meißen: 42 Gleider
  • Neustadt/Sa.: 22 Glieder
  • Nossen: 15 Glieder
  • Pirna: 38 Glieder
  • Riesa: 7 Glieder (1912)
  • Weinböhla: 6 Glieder (1912)

 

 

Wer ist wer?

  • Otto Schildhauer: Er hielt 1910 mit Hermine Ehehalt Evangelisationen in Pirna. 1911 finden wir ihn als Prediger in der Gemeinde Dresden-Löbtau. Im Januar 1912 verkündigt er im Radeberger Gasthof „Zum Deutschen Haus“ (Bahnhofstraße) die Drei-Engels-Botschaft.
  • G. W. Schubert: Er übernahm 1911 den Vorsitz der Gemeinde Pirna. Im Jahr 1912 gründete er die Gemeinde Weinböhla.

1912 – Die Anfänge der Adventbewegung in Weinböhla

Im Jahr 1903 erlebte der Kutscher Andreas Krautschick seine Bekehrung und wurde adventistischer Buchevangelist im Großraum Dresden-Meißen. Am 9. April 1904 wurde die Adventgemeinde Meißen gegründet.

Acht Jahre später gibt es in der unmittelbaren Umgebung eine weitere Entwicklung. 1912 wird nur einige Kilometer entfernt eine weitere Adventgemeinde gegründet: die Gemeinde Weinböhla. Dieser Gründung war eine jahrelange Missionsarbeit vorausgegangen. 1900 bis 1902 hatten Buchevangelisten in Weinböhla adventistische Schriften verteilt. Woher sie gekommen und wohin sie gegangen waren, ist nicht bekannt.

Vielleicht waren es auch die beiden adventistischen Ehepaare aus Bochum, die um 1900 eingewandert waren und sich schließlich im Raum Neustadt in Sachsen niedergelassen hatten. Als nächsten großen Schritt vermerkt die Chronik der Adventgemeinde Weinböhla:

1906 zog Schwester Brosch, von Beruf Schneiderin, nach Weinböhla und sagte Menschen das Wort vom wiederkommenden Erlöser Jesus Christus.

Nach weiteren sechs Jahren, im Jahr 1912, wird in Weinböhla das erste Abendmahl gefeiert. Die junge Adventgemeinde konstituiert sich als Gruppe. Am Abendmahl nehmen sechs Geschwister teil, die Leitung übernimmt Bruder G. W. Schubert. Die Glieder der Gemeinde versammeln sich in der Steinbacher Straße „bei Mutter Lehmann“, wie die Chronik ohne nähere Angaben berichtet. Über das Wirken von Schwester Brosch heißt es:

Schwester Brosch war der Gemeinde eine Stütze und rege Mitarbeiterin. Manche segensreiche Wortbetrachtung erlebten Menschen in ihrem Heim, aber auch Lob und Dank und Fürbitte.

Einige Jahre später zieht die Gemeinde Weinböhla in die Kaiserstraße 29 (heute Ernst-Thälmann-Straße). Dort bleibt sie bis 1943. Dann muss sie den Raum aufgeben und gliedert sich für über zehn Jahre an die Adventgemeinde Radebeul an.[slider]

1912 – Ausweisung aus Sachsen?

Das „Gesetz über Kultusfreiheit“ setzte etlichen Glaubensgemeinschaften bis zum Ende des Königsreiches Sachsen 1918 schwer zu – auch den Siebenten-Tags-Adventisten.

Das Gesetz diente dem Schutz der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. Bereits im Jahr 1902 klagten Adventisten über Besuche der königlichen Geheimpolizei im Gottesdienst. Im Jahr 1912 kam eine weitere Entwicklung hinzu.

Darüber berichtet der „Zions-Wächter“, die Zeitschrift der Siebenten-Tags-Adventisten:

„Obwohl die öffentliche Arbeit gesetzlich gewährleistet ist, dürfen wir keine Kultushandlungen vornehmen an solchen Personen, die nicht offiziell aus der [evangelischen] Kirche ausgetreten sind. Darüber existieren gesetzliche Bestimmungen, die im übrigen Deutschland nicht zu finden sind.“

Das berichtet G. W. Schubert in der Ausgabe vom 6. Mai 1912.

G. W. Schubert hatte im Jahr 1911 den Vorsitz der Gemeinde Pirna übernommen. Im Jahr 1912 gründete er die Gemeinde Weinböhla. Am 2. Dezember 1912 schreibt er erneut im „Zions-Wächter“:

„In Dresden wurde von seiten der Behörde unsere Kindersabbatschule aufgelöst. Schw. Langenberg, die Frau eines unserer Prediger [in Löbtau], wurde mit Ausweisung bedroht, wenn sie Familien der Landeskirche besucht … In Waldheim und Mittweida verbot sogar der Stadtrat das Abhalten öffentlicher Vorträge. Wir haben sie trotzdem gehalten. Die Gegenarbeit setzte sofort ein. Noch niemals ist der Widerstand stärker gewesen als dies Jahr, und noch niemals habe ich die Macht Gottes so in unsern Versammlungen ruhen sehen wie gegenwärtig.“

1911 – Gegenwind im „Sachsenlande“

Die ersten Adventgemeinden in Sachsen erlebten kräftigen Gegenwind. Hinweise finden sich im Historischen Archiv der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau in der Zeitschrift „Zions-Wächter“ aus dem Jahr 1911.

Die Missionarin Hermine Ehehalt berichtet in der Ausgabe 16 vom Oktober 1911

„Aus dem Sachsenlande, Dresden – Pirna.

Seit Februar des Jahres durfte ich unter den Sachsen arbeiten. Dieses Land, die Wiege der Reformation, trat von Anfang an für Luther ein … Und wiederum, nach fast 400 Jahren, kommt die letzte Reformation, die dreifache Engelsbotschaft zu den Sachsen …

Seit mehreren Monaten durfte ich in der Hauptstadt Dresden arbeiten. Wir feierten dreimal Taufe, und 21 Seelen gelobten dem Herrn Zebaoth Treue. Dieses Elb-Florenz ist eine der schönsten Städte, hat 580.000 Einwohner, ist der Sitz für Kunst und Wissenschaft und gegenwärtig ist dort auch die Hygiene-Ausstellung.
Nur die Worte der Weissagung wollen die Leute nicht gerne hören, davon wissen sie auch nichts. Aber unsere dortige Gemeinde hat mir viel Liebe erwiesen, und der Abschied war mit leid.

Am 18. September fing ich mit Vorträgen in Pirna an. Dies ist eine alte Festung mit 20.000 Einwohnern, in der Nähe der Sächsischen Schweiz. Die Pastoren warnten sofort und sperrten mir die Zeitung. Gleichzeitig hielt man am Sonntag eine Predigt über Toleranz. Aber der Herr half. Wir verteilten viele tausend Einladungen, und der Besuch sowie das Interesse sind gut. Gedenkt unserer Arbeit im Gebet. Eben Ezer. Hermine Ehehalt.

Der Bericht im „Zions-Wächter“ wirft nicht nur für uns heute Fragen auf. Er hat im Jahr 1911 sicher auch die Leser in anderen Adventgemeinden verwundert. Denn die religiösen Verhältnisse im Königsreich Sachsen waren sehr restriktiv.

Hermine Ehehalt und die Adventbotschaft in Pirna

In Pirna wurde im Jahr 1910 öffentlich die Adventbotschaft verkündigt. 1911 wurde die Adventgemeinde Pirna gegründet. Zum ersten Abendmahl trafen sich sechs Geschwister.

Den Anfang machte ein öffentlicher Vortrag im Gasthaus „Zur grünen Tanne“den späteren „Tannensälen“, Bergstraße 2. Das Gasthaus ist heute wohl jedem Pirnaer bekannt, denn seit seiner Schließung wird in der Stadt über Abriss oder Sanierung diskutiert.

Im Jahr 1910 verkündete Bruder Juhl, von Beruf Schuhmacher, in der „Tanne“ die frohe Botschaft. Weitere Vorträge hielten Bruder Schildhauer und Schwester Hermine Ehehalt (verheiratet Wemme). Die Chronik berichtet:

„Wenn auch versucht wurde, der Ausbreitung der Adventbotschaft Einhalt zu gebieten, so traf auch hier das Wort Gamaliels zu: Ist das Werk von Gott, so könnt ihr’s nicht aufhalten.“

Über die Hürden, die die Adventbotschaft überwinden musste, ist derzeit nichts bekannt. Aber ein Jahr später, am 18. November 1911, konnte das erste Abendmahl gefeiert und die Gemeinde gegründet werden. Drei Ehepaare kamen zusammen: Das Ehepaar Juhl, die Eheleute Emma und Richard Scholz sowie Hedwig und Emil Rodörfer. Geschwister Scholz und Rodörfer waren aus dem schlesischen Lauban (heute Lubán) zugezogen.

Abendmahl und Gemeindegründung fanden in Rordörfers Wohnung, Schmiedestraße 1 (2. Etage) im Zentrum von Pirna statt. Den Vorsitz übernahm Bruder G.W. Schubert. Bruder Juhl wurde Gemeindeältester. Und die junge Adventgemeinde wuchs. Die Chronik berichtet:

„Eifrige Mission mit Unterstützung von Schwester Ehehalt und Bruder Schildhauer führte dazu, dass bereits am 5. Januar 1912 sechs Schwestern durch Taufe zur Gemeinde kamen.“

Ein herzliches Dankeschön an Wolfgang Kreher und Dieter Rockstroh.

1909 – Die Anfänge in Dresden-Löbtau

Nach der Gründung der Gemeinde Neustadt in Sachsen 1908 führt uns der Weg zurück in die Landeshauptstadt Dresden. Die Chronik der Gemeinde Dresden-West berichtet eindrucksvoll von den Anfängen in Löbtau:

Die Gemeindegründerfamilie Max Fritsche mit Ehefrau Nanny (geb. Neubert) mit drei von insgesamt acht Kindern.

Herbst 1909 – nasskalter Wind reißt die braungelben Blätter von den jungen Bäumen an den Straßenrändern. Bauarbeiter wuchten Bretter von einem Pferdewagen. Es ist nicht die einzige Baustelle in Löbtau, die noch vor Einbruch des Winters fertig werden soll. Auch an den Gleisanlagen der Straßenbahn von der Kesseldorfer Straße aus nach Cotta wird noch emsig mit Hacken und Hebeln und einem mechanischen Kran gearbeitet. Schwere Brauereipferde ziehen die Schienen in die richtige Position. Tag für Tag rückt der neue Gleisstrang frisch verschraubt und mit Pflastersteinen eingebettet voran.

An einem jener Herbsttage des Jahres 1909 stieg der adventistische Prediger Weymann aus dem Eisenbahnabteil und suchte sich ein Zimmer in Löbtau. Hier in diesem emporstrebenden Stadtgefüge wollte er eine neue Adventgemeinde gründen und begann, für einen biblischen Vortrag zu werben.

Der Drei-Kaiser-Hof bot nicht nur Quartier, sondern auch den Vortragsraum. Die Besucher kamen zahlreich an diesem Abend, neugierig, denn Kino und Theater waren teuer, der Fernseher war noch lange nicht erfunden. Nach dem Vortrag zeigten fünf Frauen weitergehendes Interesse. So besuchte sie Prediger Weymann in ihren Wohnungen. Bald zeigte sich, dass sie bereit waren, den 7. Tag der Woche heilig zu halten. Doch es gab in Löbtau noch keine Adventgemeinde. Und so empfahl ihnen Bruder Weymann den Gottesdienstbesuch in einer schon bestehenden Adventgemeinde in der Serrestraße, Nähe Carolabrücke.

Es handelte sich um jene Adventgemeinde, die sich im Jahr 1900 zunächst in einem Privathäuschen in Striesen versammelt hatte. Nun hat sie schon mehrere Umzüge hinter sich und nimmt die fünf jungen Frauen aus Dresden-Löbtau herzlich auf.

1908 – Gründergeist in Neustadt in Sachsen

Zwei Bochumer Ehepaare hatten den Adventglauben in unsere Region Dresden gebracht. Die ersten Jahre waren mühevoll, doch allmählich kam Schwung in die Arbeit.

Die erste Gemeinde im Raum Neustadt in Sachsen (Foto um 1908). Auf dem Foto sind die beiden Gemeindegründer Petzold und Sessny aber nicht mit abgelichtet.

Die Chronik der Gemeinde Neustadt in Sachsen berichtet:

„Durch Geschwister Petzold und Geschwister Sessny, die um 1900 aus Bochum nach Langburkersdorf gekomen waren, wurde der Adventglaube erst hier bekannt. Nach einigen Jahren waren dann ca. sechs Glieder zu unserem Glauben gekommen. Somit wurde am 15. Juli 1908 von Bruder Weinmann (Dresden) mit Gottes Hilfe und Beistand eine selbständige Gruppe von 13 Gliedern in dieser Gegend gegründet.“

Die Gruppe verbreitete hunderte Missionsschriften, vor allem durch August Kaufer und seinen leiblicher Bruder Max. Nun erwies sich die Verstreuung der Geschwister als Geschenk: im Jahr 1909 konnte eine Gruppe in Wilthen, 1911 eine Gruppe in Bad Schandau gegründet werden. 1913 wurde in Langburkersdorf der erste eigene Versammlungsraum eingeweiht. Der finanzielle Erlös der Schriftenmission floss in ein nagelneues Harmonium.

1905 – Max Berger: Vom Heizer zum Evangelisten

Am 8. März 1904 wird in der Adventgemeinde Meißen, noch vor ihrer offiziellen Gründung, neben Elisabeth Bormann auch Max Beger getauft. Max Beger lebte von 1882 bis 1958. Er hat eine interessante Geschichte.

Max Beger war der Großvater von Karin Kusch (Adventhaus Dresden), die sich heute noch erinnert:

„Mein Großvater stammte aus Kmehlen bei Meißen. Dort war er Vogt beim Rittergut, er war für die Bauern im Dorf zuständig. Wie er mit der Gemeinde zusammen gekommen ist, weiß ich nicht. Aber er hat Interesse daran gehabt und er hat in seiner Bibel gelesen und gesagt. „Gut, wenn das so ist, dann will ich das so machen.“

So etwa 1905 zog er von Meißen nach Dresden und wurde Heizer bei der Post. Es war eine schöne Arbeit. Und einige Jahre später, da war er schon verheiratet, da hat er gesagt: „Ich kann das nicht mehr machen. Ich muss ganz für den Herrn arbeiten.“ Da hat er aufgehört und ist Kolporteur (Buchevangelist) geworden. Das war finanziell nicht so üppig. Meine Großmutter, sie war katholisch getauft, ist arbeiten gegangen. Sie war Köchin, sie hatte gute Adressen, als Privatköchin auf dem Weißen Hirsch.

Mein Großvater hat viel von seinen Erfahrungen erzählt. Um 1945 gab es viel Spiritismus. In die Gemeinde kamen Menschen, die damit vorbelastet waren. Und mein Großvater ist immer zu den Menschen gegangen und hat mit ihnen gebetet, er hat gesagt: „Du musst vertrauen.“ Und er ist bei ihnen geblieben und hat die Situationen auch mit durchgestanden. Er hat zum Beispiel den Wasserhahn wieder zugemacht, wenn eine unsichtbare Hand ihn geöffnet hatte.

Ich war nicht sehr viel mit meinem Großvater zusammen, aber er war lieb. Er hatte für sein Enkelkind etwas übrig. Aber er war auch streng. Ins Kino oder zum Tanz gehen, das gab es nicht. Schmuck tragen auch nicht, das wurde weg getan. Es kamen Verbote: „Ein Gotteskind tut das nicht. Was würde Jesus dazu sagen?“ Heute sage ich mir, es hat mir viel geholfen. Weil es wirklich wichtig ist, zu fragen: Was würde Jesus dazu sagen?

In den 50er Jahren war mein Großvater aktiv auf dem SONNENHOF. Die brauchten ja Wasser auf dem Sonnenhof. Da musste ein Brunnen gegraben werden. Sie haben gedacht, gut, das ist Sand, aber ab einer gewissen Tiefe kam Tiefengestein. Da musste gesprengt werden. Das ist unter der Leitung von Bruder Friedrich Hambrock geschehen und die Brüder haben mit ausgeschachtet (Anmerkung: der Brunnen ist 14 Meter tief und heute noch in Betrieb).

Großvater hat tolle Erfahrungen mit Gott gemacht. Meine Großeltern haben alles auf die Kante gesetzt und der liebe Gott hat sie gesegnet.“

1902 – Die „Friedensauer Schwesternschaft“

Die Dresdner Adventgemeinde ist noch jung und auch nicht besonders groß. Trotzdem entschließt man sich, ein Wohnheim für die „Friedensauer Schwesternschaft“ einzurichten.

Das Heim befindet sich in der Schnorrstraße 82, zwischen Hauptbahnhof und dem Gelände der TU Dresden. Zu den ersten Bewohnerinnen gehören die Schwestern Budnat und Elisabeth Reichstädt. Die „Friedensauer Schwesternschaft“ wurde am 19. Juli 1901 mit der Einweihung des Sanatoriums in Friedensau ins Leben gerufen. Die Anregung dazu holte man sich von den evangelischen Diakonissenhäusern des 19. Jahrhunderts.

Friedensauer Schwesternschaft

Kraftvolle Bewegung: die „Friedensauer Schwesternschaft“

Die Schwesternschaft entwickelte sich zum Berufsverband des adventistischen Pflegepersonals. Nach ihrer Ausbildung in Friedensau gingen die Schwestern in die Städte und übernahmen die Privatpflege von begüterten Leuten. Später kamen Einsätze in den Adventgemeinden und in Krankenhäusern hinzu. Bis zum Ende des 1. Weltkrieges gingen viele Schwestern auch in die Missionsgebiete, z. B. nach Afrika. Es gab also von Deutschland aus persönliche Verbindungen dorthin. Möglicherweise gewannen auch deshalb „Missionsberichte“ in den Gemeinden an Bedeutung.

Die „Friedensauer Schwesternschaft“ war Teil der so genannten adventistischen Gesundheitsbewegung. Die Schwestern fügten sich einem eigenen Regelwerk und trugen Tracht (die bis 1986 auch in der DDR in Gebrauch war). Viele entschieden sich, unverheiratet zu bleiben. Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich die Situation. Immer mehr auch verheiratete Schwestern schlossen sich der „Friedensauer Schwesternschaft“ an. Die Mitgliedschaft in diesem Berufsverband hielt sie zudem zusammen. Die regelmäßigen Treffen – zuletzt fand ein Treffen 2011 statt – galten dem Erfahrungsaustausch, Gebet und gemeinsamen Singen. Die letzte Leiterin, „Oberin“ genannt, in der DDR war Schwester Ruth Scholz. Sie gehört heute der Adventgemeinde Lichtenberg an.

Über den Weg der „Friedensauer Schwesternschaft“ speziell in Dresden ist leider wenig bekannt geblieben, außer ein Umzug von der Schnorrstraße in die Haydnstraße, ins heutige Adventhaus. Nach 1945 verliert sich die Spur fast völlig. Möglicherweise finden sich Dokumente, die mit weiteren Details die Zeitreise aufschlussreicher machen würden.

Königliche Geheimpolizei im Gottesdienst

Die Glaubensgemeinschaften in Sachsen, darunter auch die Siebenten-Tags-Adventisten, hatten bis 1918 mit einem „Gesetz über Kultusfreiheit“ zu kämpfen. Dieses Gesetz diente dem Schutz der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche und schränkte die Arbeit anderer Glaubensrichtungen ein. Der „Zions-Wächter“, die Zeitschrift der Siebenten-Tags-Adventisten, berichtet, wie das „Gesetz über Kultusfreiheit“ in der Praxis wirkte:

„Bis jetzt sind wir noch immer sehr scharf kontrolliert worden, auch in unsern Sabbaths-Versammlungen bleibt die Geheimpolizei nie aus. Vor einigen Wochen wurde uns eröffnet, daß wir sofort beim Kultus-Ministerium einzukommen hätten, wie dieses entscheiden werde, so habe es zu geschehen. Da wir aber mit so einer wichtigen Sache noch etwas zögerten, um die Bitte richtig zu verfassen, wurde ich auf das Polizeiamt verlangt, welches mit tüchtig die Leviten gelesen hat. Aufs neue wurde ich mit Ausweisung bedroht.“ 

Das berichtete Gerhard Perk in der Ausgabe vom 21. April 1902.

Perk war von Krim gekommen und gründete in Ostdeutschland eine Reihe von Adventgemeinden. So gründete er im Jahr 1901 im Hotel „St. Petersburg“ auf dem Neumarkt mit 12 Adventgläubigen die erste Dresdner Adventgemeinde.

„Wir haben uns hier rasch eingelebt und sind auch bald mit den hiesigen Geschwistern und Verhältnissen bekannt geworden. Anfangs wurde eine jede unserer Versammlungen, selbst die Singstunden, von der Geheim-Polizei besucht und überwacht. Ich wählte meine Texte meistenteils aus den Evangelien und Episteln, das prophetische Wort berührte ich weniger, somit blieben sie allmählich weg.“ 

So berichtet es Kurt Sinz am 17. November 1902 aus Dresden. 

Sinz arbeitete 1902 bis 1904 für die Dresdner Gemeinde und wohnte in der Ziegelstraße 54 in Johannstadt. Dort stand ein Privathaus, dass Geschwister für die Gottesdienste zur Verfügung gestellt hatten. Denn der Versammlungsraum in der Gaststätte „St. Petersburg“ war inzwischen zu klein geworden.

1901 – Von der Krim nach Dresden

Ein neues Jahrhundert hat begonnen und zeitgleich geschieht eine Gemeindegründung nach der anderen …

1904 wird die Gemeinde Meißen gegründet, 1908 die Gemeinde Neustadt in Sachsen. 1910 wird die Gemeinde Dresden-Löbtau ins Leben gerufen, ein Jahr später die Gemeinden Bad Schandau und Pirna. Es folgen Weinböhla (1912), Radeberg (1915), Radebeul (1919) und Dippoldiswalde (1921).

Oft gehen einer Gründung jahrelange Evangelisationen voraus. So braucht es in Neustadt in Sachsen offenbar acht Jahre vom Auftauchen der ersten Missionare bis zur eigentlichen Gemeindegründung.

Gehen wir das 20. Jahrhundert also ruhig an. Nachdem Ludwig Richard Conradi die ersten Geschwister in Dresden getauft hat, reist er weiter. Prediger Gerhard Perk übernimmt 1901 die Gruppe und gründet mit den inzwischen 12 Gläubigen ganz offiziell eine Gemeinde. Die Gottesdienste werden im Hotel „Stadt Petersburg“ auf dem Neumarkt gefeiert.

Foto Gerhard Perk

Ist die Adventbewegung die Geschichte alter Männer? Wer sich Gerhard Perk (Foto) genau anschaut, entdeckt ein jugendliches Gesicht.

Gerhard Perk kam von der Krim, wo er als deutschstämmiger Mennonit gelebt hatte. Die Schrift „Die Botschaft des dritten Engels“, die er von einem Nachbarn erhalten hatte, hatte sein Leben verändert. Fortan war er durch Russland gereist und hatte Bibeln verkauft. 1898 war er nach Sachsen gekommen und hatte 1899 die Gemeinde Chemnitz gegründet. Danach lebte er in Dresden und feierte nun mit der noch jungen Gemeinde jede Woche in einer Hotelgaststätte Gottesdienst.

Das Jahr 1900

Die Verbreitung der Adventbotschaft im Raum Dresden beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. Soweit bekannt, an zwei Orten zu gleicher Zeit: in Dresden und Neustadt in Sachsen.

Foto Ludwig Richard Conradi

Mit 30 Jahren kam Ludwig Richard Conradi (Foto) an der Seite Ellen Whites nach Europa.

Den Anfang machten offenbar Reise-Missionare aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen. Die Chronik der Gemeinde Neustadt in Sachsen berichtet von zwei adventistischen Ehepaaren aus Bochum, die um 1900 in die Gegend zwischen Sächsischer Schweiz und Lausitzer Hügelland „einwanderten“. Bis zur Gründung der Neustädter Gemeinde sollten aber noch einige Jahre vergehen.

Die Chronik der Gemeinde Dresden-Adventhaus vermerkt:

„In den ersten Monaten des Jahres 1900 weckte Schwester Grunert durch unser Schrifttum, das sie liebevoll weitergereicht hatte, starkes Interesse für die Adventbotschaft in Schwester Hübler und ihrer Mutter sowie in Schwester Stelzer. Noch im gleichen Jahr, am Sabbat, dem 21. Mai, wurden diese drei Glaubensgeschwister mit vier weiteren Taufbewerbern von Prediger Ludwig Richard Conradi getauft.“

Leider wissen wir nicht, wie Schwester Grunert zur Adventbotschaft gefunden hat. War es Bibelstudium? Aber woher stammt dann das „Schrifttum“? Oder waren die adventistischen Ehepaare aus Bochum auch durch Dresden gereist? Sicher ist nur, dass sich die frisch getaufte Gruppe im Häuschen von Schwester Pönitz in Alt-Striesen versammelte und dort jeden Sonnabend Gottesdienst feierte.

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