Oktober – die Tage werden merklich kürzer, dafür die Nächte kühler. Der erste Frost kündet den nahenden Winter an. Noch scheint goldene Herbstsonne warm durch bunte Blätter. Die letzte Obst- und Gemüse-Ernte aus Gärten und von Feldern wird eingeholt.

Erntezeit ist auch Zeit der Rückschau. Was von dem was in diesem Jahr gesät und gepflanzt wurde ist aufgegangen und hat Frucht getragen? In früheren Zeiten hing das Leben und Überleben in der kargen Jahreszeit davon ab. Zwar kann man bei uns so ziemlich alles und jederzeit im Supermarkt kaufen, aber das ist keineswegs garantiert, wie wir in diesem Jahr schmerzlich lernen mussten. Sicher geglaubte Lebensgrundlagen sind plötzlich überhaupt nicht mehr sicher. Energie ist knapp geworden – und teuer. Viele werden es im kommenden Winter nicht mehr muggelig warm zu Hause haben. Trotz der Probleme und mancher Einschränkungen gibt es viele Gründe zur Dankbarkeit. Es lohnt sich, sie zu suchen und zu benennen, denn noch immer leben wir in geordneten und relativ sicheren Verhältnissen. Das ist keineswegs selbstverständlich.

Auch im Inneren halten wir Rückschau: Welche Ernte haben wir persönlich eingebracht? Was haben wir in diesem Jahr erreicht und was nicht? Vermutlich ist nicht jede Saat aufgegangen – nicht alles ist gut gelaufen. Pläne sind gescheitert, Investitionen haben nicht die erhoffte Rendite getragen, die Beziehung war nicht besonders glücklich oder die Kinder haben sich nicht wie erhofft entwickelt. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Jede Bilanz hat auch eine Negativ-Seite.

Darum ist hin und wieder eine ehrliche Bilanz wichtig. Warum gelang das eine und das andere nicht? Was waren die Gründe für eine gute Ernte, für die glückliche Zeit und gelingende Beziehungen? Und warum sind andere Dinge schiefgegangen, was hat den Misserfolg verursacht und was war mein Anteil daran? Was für einzelne Bereiche gilt, trifft auch für das Leben insgesamt zu. Welche Bilanz wird mein Leben am Ende aufweisen?

Der Apostel Paulus bemühte eine alte Erkenntnis aus der Landwirtschaft, um zu verdeutlichen, dass das mitunter – freilich nicht immer – auch für das eigene Leben gilt. Er schrieb an die Christen in Galatien:
„Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben; was ein Mensch sät, wird er ernten. Wer all seine Kraft und sein Geld in irdische Wünsche investiert, wird letztlich auch nur die Vergänglichkeit irdischer Güter ernten. Wer aber sein Vertrauen auf Gottes guten Geist setzt und nicht aufhört, in wahrhaft Gutes zu investieren, der wird ein erfülltes Leben ernten, ein von Gott gesegnetes Leben, das nicht vergeht.“ (nach Gal. 6,8)

Andacht: Lothar Scheel. Foto: Gerald Hoffmann