Das jährliche Osterfest bringt mich immer durcheinander. Erst heißt es, Jesus sei gestorben. Dann berichtet die Bibel, dass er irgendwo wieder auftaucht. Wie kann man das Ostergeschehen kurz und klar erzählen?

Zwölf Kilometer Weg spiegeln drei ereignisschwere Tage wider. Zwei Jünger sind darauf unterwegs, zu Fuß, von Jerusalem zurück in ihr Dorf Emmaus. Die Schrecken liegen hinter ihnen. Geblieben ist Traurigkeit. Die Ereignisse sind vorüber. Was noch da ist, sind Fragen über Fragen. Es geht ja nicht nur um den unschuldigen Tod ihres Rabbis. Gestorben ist ihr Glaube. Ihr Vertrauen, dass Gott nicht nur in alten Geschichten vorkommt, sondern, dass er heute in ihr Leben eingreift, mächtig, wirksam und liebevoll. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. (Luk 24,13 ff.)

Aber nicht alle Hoffnung ist erloschen. Ihre Fragen, ihr Ringen im Gespräch, das sind die Funken, die noch glimmen. Und Jesus, der längst bei ihnen ist, beginnt behutsam in die Glut zu blasen. Mose und die Propheten sind es, also die Heilige Schrift, die die Ereignisse erklären können. Die tröstliche Erkenntnis: Leiden ist Gottes Weg zur Herrlichkeit.

Dann sitzen sie zu Tisch und erleben überrascht, wie Jesus aktiv wird: in ihrem Haus, an diesem Abend. Er nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wissen sie, dass Jesus lebt. Ihnen wird bewusst, er ist bei ihnen. Hell beginnt das Feuer ihres Glaubens zu lodern. Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Ihr Leben ist verändert. Sie gehen nicht schlafen, sondern kehren nach Jerusalem zurück. Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Das, was ihnen Mut und Lebenskraft gibt, teilen sie mit anderen.

Der Weg nach Emmaus ist mehr als eine Episode am Rande des Ostergeschehens. Es ist der Weg, auf dem wir Jesus begegnen, bis heute. Wenn wir miteinander im Gespräch sind, uns austauschen über unseren Glauben und unsere Fragen, dann sind wir in Gemeinschaft mit Jesus. Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich selbst in ihrer Mitte. (Mat 18,20) Dieses Versprechen Jesu begleitet die christliche Gemeinde von Beginn an bis heute.

Wie die Emmaus-Jünger dürfen wir auch mit Hilfe von oben rechnen, dass wir Gottes Wort verstehen. Der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Joh 14,26) Und schließlich begegnen wir Jesus im Brotbrechen, im Abendmahl. Wir erinnern uns dabei nicht nur an den Tod Jesu, vielmehr begegnet uns der Auferstandene. Diese Freude teilen wir miteinander: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.

Möge Sie dieses Segenswort aus dem Zweiten Korintherbrief durch die diesjährigen Ostertage begleiten: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Pastor Simon Krautschick

 

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