Vereinigungsgottesdienst in Dresden

Einen überaus reich gesegneten Sabbat durften wir am 16.06.2018 in mitten der Stadt Dresden erleben. Adventisten nicht im Hinterhof versteckt, an der Peripherie – nein mitten drin und unübersehbar. In der Dresdner Stadtkirche, dem größten Kirchenbau Sachsens, wurde das Motto des Tages „Aufgerichtet unterm Kreuz“ erlebbar und ganz physisch sichtbar.

Wir trafen uns unter dem Kreuz, ob aus Berlin, Sachsen, Thüringen, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt – Christus war und ist das Zentrum, der Sinn der Zeit unserer Begegnung. Schon am Eingang wurde man durch das sehr professionelle Programm in den Tag hineingenommen. Klar strukturiert bis zu den Hinweisen zum Aufstehen und Sitzenbleiben fühlte man sich geführt. Die Musik und die Beiträge des Gottesdienstes – sie bildeten eine harmonische Einheit in Aussage und Emotionalität. Der Einzug der Kinder und das von ihnen farbenfroh gestaltete Lied von Daniel Kallauch „Ihr sollt frei sein“ rührte manchen von uns zu Tränen. Den Blick in diese volle Kirche werden die Kinder ebenso nicht vergessen wie wir den Anblick dieser großen Kinderschar. Das Team um Michael Plietz sorgte danach fast den ganzen Tag im Bereich in und um das Hygienemuseum um eine für die Kinder unvergessliche Zeit.

Klar am Lukastext (Lk 13,10ff) orientiert erläuterte Dennis Meier (Präsident der Hansa-Vereinigung) in der Wortverkündigung, wie Jesus Mauern der Ignoranz, des Wegschauens einreißt, wie er Menschen in den Focus nimmt, die nicht mehr in der Lage sind, aufrecht zu gehen und wie es Jesus ein Anliegen ist, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie nicht ihrem Elend zu überlassen. Christusnachfolger in diesem Sinne zu werden und zu bleiben ist im Sinne Jesu. Und dann kann jeder von uns fröhlich Gott loben und preisen. Wir durften in diesem herrlich schlichten Kirchenbau die Musik durch die hervorragende Band, den Bläsern, der Orgel und dem Chor mit allen Sinnen genießen, auf uns wirken und zum Lobe Gottes erschallen lassen.

Die Zeit des Mittagessens kam viel zu schnell. Die Organisation dieser nicht einfachen Aufgabe, ca. 1600 Personen durch das Rathaus zu schleusen, ohne das die Höchstanzahl von gleichzeitig 600 im Hause befindlichen Menschen überstiegen wurde, war eine Meisterleistung. Die Wartezeit wurde dank des schönen Wetters und den vielen guten Gesprächen nicht zu lang.

Leider musste man sich am Nachmittag zwischen 3 tollen Workshopangeboten entscheiden – Bibelgespräch mit Prof. Bernard Oestreich über Römer 14 zum Thema „Was richtest du deinen Bruder? – Unterm Kreuz in Verschiedenheit zueinander finden“, Vortrag und Gespräch mit Dr. Joachim Klose zum Thema „Brennpunkt Rechtspopulismus – Erneuerung oder Gefährdung der christlichen Werte?“ und der Ideenwerkstatt mit Gunnar Scholz und Gunnar Dillner zum Thema „Adventgemeinde im 21. Jahrhundert – Wie muss Kirche sein, dass ich bleibe“. Anspruchsvoller Austausch und Gedanken wurden geäußert und werden durch die Teilnehmer auch noch Tage und Wochen danach hoffentlich inspirieren und in die Gemeindearbeit wirken.

Der seit dem 14.Jahrhundert stattfindende Vespergottesdienst in der Kreuzkirche wurde diesmal durch den Landeschor der Adventgemeinden in Berlin-Mitteldeutschland und dem Mitteldeutschen Motettenchor gestaltet. Der Pfarrer der Kreuzkirche, Holger Milkau, begrüßte die Vespergemeinde mit den Worten, dass es fast wie Weihnachten wäre, wenn die Adventisten im Hause sind, so freue man sich darüber. Die Betonung der Gemeinschaft unterm Kreuz Christi und nicht die Trennung des IHR und WIR bilden die Verbindung der Christen untereinander. Wer sich bei der Musik von Bach und Schütz wohlfühlt wurde durch ein anspruchsvolles, qualitativ hochwertiges und textlich tief berührendes Erlebnis beschenkt und bereichert.

Seinen Ausklang fand der Tag mit dem Lobpreisabend im Adventhaus mit der Zwickauer Band „InPraise“, die bewusst in die Begegnung und die Anbetung des großartigen Gottes führen wollten. Die Message von Nils Podziemski (Jugendpastor von Dresden) betonte noch einmal, dass wir nicht zu Gott kommen sollen, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen, sondern weil es uns ein inneres Bedürfnis ist. Der Aufforderung, sich für den kommenden Tag ab 12:00 Uhr bis 22:00Uhr aller 2 Stunden daran erinnern zu lassen, dass Gott anwesend ist, egal in welcher Situation man sich gerade befindet, konnte jeder nachkommen und dadurch das Erlebnis auch am Sonntag noch nachklingen lassen.

Was bleibt als Fazit:

Es gehörte viel Mut der Verantwortungsträger dazu, solch einen Tag zu planen, zu organisieren und zu finanzieren. Es ist fast wie die Entscheidung, ob man eine Familienfeier zur Silberhochzeit durchführt oder nicht. Lohnt sich die Geldausgabe? Was bleibt davon hängen? Sollte man nicht lieber die Mittel sinnvoller verwenden? Man kennt sich doch schon so lange. Was soll da Neues passieren?

Das Gefühl, die Mitte unseres Glaubens klar zu nennen und zu manifestieren, in Gemeinschaft mit Schwestern und Brüdern Schulter an Schulter zu stehen, nicht allein zu sein, sondern sich getragen zu wissen, dieses Gefühl reicht weiter. Die Gespräche, die Gedanken, die Impulse und Klänge werden nachwirken und unsere Arbeit vor Ort beflügeln und die Freude verstärken, am richtigen Platz zu sein, an den Gott uns gerufen hat. So dürfen wir aufgerichtet in unserer Stadt, in unserem Dorf, in unserer Familie, in unserem Hinterhof oder in der Peripherie leben, wirken und wachsen.

Gott segnete uns diese Gemeinschaft durch das wunderschöne Wetter und die rundum gelungenen Veranstaltungen. Seine Handschrift war überall deutlich zu erkennen.

Danke.

Text: Gerald Hoffmann
Fotos: Michel Lask

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