Ich schließe den Briefkasten auf und nehme einen Brief heraus. Das bunte Symbol darauf fällt mir ins Auge. Seit dreißig Jahren ist es mir vertraut. Denn Immer wieder werde ich auf diese Weise eingeladen. Ich soll in einer Lotterie meine Tipps abgeben. Wenn ich mit vielen Menschen gemeinsam tippe, ist meine Aussicht auf einen märchenhaften Gewinn viel höher. Das wird mir jedenfalls versprochen.
Ich wiege den Brief in der Hand und spüre die Faszination: Reich sein. Ohne Sorgen leben. Tun können, was ich will. Nie mehr an meine Grenzen kommen …
Jesus hat eine Predigt darüber gehalten. Humorvoll nimmt er unseren Traum vom Reichsein aufs Korn:

Sammelt keine Schätze hier auf der Erde! Denn ihr müsst damit rechnen, dass Motten und Rost sie zerfressen oder Einbrecher sie stehlen. Sammelt lieber Schätze bei Gott … Denn euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt. Mat 6,19 -21

Ich werfe den Brief in den Papierkorb. So, wie schon seit dreißig Jahren. Auf den Hauptgewinn meines Lebens hoffen, oder mein Leben glücklich zubringen, das sind zwei verschiedene Dinge. Ist nicht jeder Tag reich gefüllt mit Leben? Liegt nicht darin mein Glück? Arbeit und auch Ruhe, Sorgen und auch Erleichterung. Hunger haben und dann bei einem guten Essen satt werden. Müde sein und mich dann wohlig im Bett ausstrecken.
Auch die kommende Woche verspricht uns solche glücklichen Momente. Wir können nicht garantieren, dass wir sie tatsächlich erleben. Aber wir bitten Gott vertrauensvoll, dass er uns damit beschenkt.

Simon Krautschick

Adventgemeinde Dresden-Adventhaus