
Andacht Februar: Zwischen Winterkälte und leiser Hoffnung
Der Februar ist ein seltsamer Monat.
Die Lichter der Advents- und Weihnachtszeit sind erloschen. Die vertrauten Familienmomente liegen hinter uns. Um uns: Kälte, Grau, Matsch. Tage, die sich gleichen. Nichts scheint sich zu verändern, nichts deutet sichtbar auf einen Neuanfang hin.
Auch innerlich erleben viele diesen Stillstand. Die Nachrichten verstärken ihn. Jeden Tag neue Meldungen, die erschrecken, überfordern, verunsichern. Das Gefühl wächst, dass ein regelbasiertes, verlässliches Weltgefüge brüchig geworden ist. Was gestern noch galt, scheint heute nicht mehr sicher. Das erzeugt kollektive Fassungslosigkeit – und Angst.
In dieser Situation haben mich Gedanken aus einer Rede auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos von Mark J. Carney (Premierminister Kanadas) berührt. Er sprach davon, dass die Macht der weniger Mächtigen mit Ehrlichkeit beginnt. Davon, dass Systeme nicht nur durch Gewalt bestehen, sondern durch die stillschweigende Teilnahme ganz gewöhnlicher Menschen an Ritualen, von denen sie insgeheim wissen, dass sie falsch sind. Václav Havel hat das in seinem Aufsatz „Die Macht der Machtlosen“ eindrücklich beschrieben:
Ein System lebt nicht von seiner Wahrheit, sondern davon, dass alle so tun, als wäre es wahr. Und es beginnt zu bröckeln, wenn jemand damit aufhört.
Diese Gedanken treffen einen Nerv unserer Zeit. Sie beschreiben eine Welt, in der Anpassung als Sicherheit verkauft wird, in der Konformität als Überlebensstrategie gilt. Eine Welt, die kalt werden kann – wie ein Winter ohne Aussicht auf Frühling. Eine Welt der Raubtiere, in der die Starken dominieren und die Schwachen schnell aussortiert werden.
Genau in eine solche Welt hinein spricht die Bibel.
Wenn wir auf Gottes Gebote schauen, dann sind sie nicht zuerst ein moralischer Maßstab zur Selbstoptimierung. Sie sind keine juristisch wasserdichten Paragraphen und auch kein spirituelles Leistungsprogramm. Sie sind Orientierungshilfen für ein gelingendes Leben in einer Welt der Machtverhältnisse. Sie schützen das Leben, die Würde, die Beziehungen – besonders dort, wo der Schwächere sonst unter die Räder käme.
Gottes Gebote sind keine kalten Regeln. Sie sind ein Gegenentwurf zur Kälte einer Welt, in der jeder nur um sich selbst kreist.
Jesus selbst sagt nüchtern (Johannes 16,3):
„In der Welt habt ihr Angst.“
Er beschönigt nichts. Aber er bleibt nicht dabei stehen:
„Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Wie sieht diese Überwindung aus?
Nicht durch noch größere Macht, nicht durch Härte oder Rückzug in die eigene Festung. Sondern durch Beziehung. Menschen wenden sich einander zu. Sie reichen einander die Hand. Sie teilen Wärme – im übertragenen wie im ganz konkreten Sinn.
Gott selbst geht diesen Weg. Er wendet sich uns zu – nicht nur zu Weihnachten, sondern an jedem grauen Februartag danach. Er ist ein Gott, der unsere Schwachheit sieht, erkennt und heilt. Einer, der nicht auf Distanz bleibt, sondern Nähe sucht. Und wir Menschen wenden uns ihm zu, dem Überwinder.
Darum heißt es:
„Wenn ihr dies alles seht, dann erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)
Auch wenn der Winter noch spürbar ist – der Frühling steht vor der Tür.
Und noch persönlicher sagt Christus:
„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und mir öffnet, zu dem werde ich eintreten und das Mahl mit ihm halten.“ (Offenbarung 3,20)
Das ist kein Bild von Macht, sondern von Gemeinschaft. Kein kaltes System, sondern ein gedeckter Tisch.
Mit ihm an unserer Seite dürfen wir hoffen. Wir dürfen Sicherheit empfinden, die nicht aus Kontrolle entsteht, sondern aus Vertrauen. Wir dürfen uns fallen lassen – weil wir nicht allein sind.
Diese Allianz mit Gott hat eine Stärke, die tiefer reicht als politische Machtspiele. Sie gründet in Wahrheit, Integrität und Beziehung. Sie setzt der Kälte etwas entgegen. Und sie wird die Mächtigen nicht nur begrenzen, sondern sie eines Tages auch zur Rechenschaft ziehen.
Am Ende steht nicht der Winter.
Am Ende steht die Verheißung:
„Siehe, ich mache alles neu.“
Text: Gerald Hoffmann
Foto: Gerald Hoffmann

Andacht im Januar: Siehe, ich mache alles neu!
Siehe, ich mache alles neu! (Offb 21,5)
Ich schaue nicht mehr hin. Die Nachrichten – kaum Aussicht auf Veränderung. In den Spiegel – ich werde alt. Werbung – kaum etwas davon brauche ich. Jetzt hat ein neues Jahr begonnen. Lohnt es sich Ausschau zu halten? Könnte ich etwas Buntes, Lebendiges, Erfreuliches, Hoffnungsvolles erspähen?
„Siehe!“ Das Bibelwort aus der Offenbarung lädt uns ein hinzuschauen. Genau genommen, ist es „Der auf dem Thron sitzt“, der verspricht: „Es lohnt sich, mach doch die Augen auf.“ Der Schöpfer selbst erschafft einen Neuanfang.
„Ich mache alles neu!“ ist der Höhepunkt, auf den das ganze biblische Buch „Die Offenbarung“ hinausläuft. Der Name des Buches ist Programm: ein Vorhang wird zur Seite gezogen, damit wir sehen können, wer tatsächlich das Ruder in der Hand hat. Wir schauen in den Thronsaal des Universums. Dort wird Gott als Herrscher verehrt. In unserer Lebenswirklichkeit auf der Erde sehen wir davon oft nichts. Dort herrschen andere Prinzipien. „Geld regiert die Welt“ sagen wir, oder „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht.“ oder „Wenn du den Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor.“
Auf dem Thron des Universums sitzt jedoch nicht der, der sich am wirkungsvollsten durchgesetzt hat, sondern Jesus Christus, von dem gesagt wird: Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt. (Phil 2,7-9)
Die Herrschaft Gottes mit ihrer menschenfreundlichen und dem Leben zugewandten Grundausrichtung, kommt uns aus der Zukunft entgegen. Sie wirft ihren Schein auch schon auf das neue Jahr, das gerade begonnen hat und vor uns liegt.
Wir brauchen aber nicht nur darauf warten, dass Gottes Herrschaft unsere Welt einmal umfassend umkrempelt. Er beginnt seine Neuschöpfung jetzt schon, jederzeit, im Herzen eines Menschen. Neues entsteht, wenn sich ein Mensch auf eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott einlässt. Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und schenke euch ein Herz, das lebt. (Hes 36,26)
Die Augen aufzumachen, lohnt sich doch, und das Neue zu suchen, das Gott in anderen Menschen und auch in mir selbst erschafft. Danach will ich Ausschau halten.
Text: Simon Krautschick
Foto: Kiều Trường auf Pixabay

Andacht im Dezember: Licht im Advent – und darüber hinaus
Der Dezember ist ein Monat voller Lichter. In Straßen und Fenstern leuchten Sterne, Kerzen werden entzündet, und viele von uns spüren eine Mischung aus Vorfreude, Sehnsucht und vielleicht auch eine gewisse Erschöpfung nach einem anstrengenden Jahr. Mitten in dieser besonderen Atmosphäre erinnert uns der Advent an ein besonderes Licht. Es ist nicht nur Dekoration, sondern es durchbricht das Dunkel der Welt und alles dunkle in uns selbst.
In Jesaja 9,1 heißt es: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Das ist nicht nur ein poetisches Bild. Es ist die christliche Botschaft in wenigen Worten: Gott sieht unsere Dunkelheit – die äußere und die innere. Aber er ist nicht irgendwo da draußen in den Weiten und der Dunkelheit des Universums. Er spendet auch nicht nur ein bisschen Trost oder ruft ein paar ermutigende Worte zum Durchhalten zu. Er kommt selbst. In Jesus betritt Gott unsere Welt, unser Chaos, unsere Tränen, unsere Freude – alles.
Vielleicht ist dein Jahr hell gewesen, voller guter Momente. Vielleicht war es aber auch geprägt von Herausforderungen, Verlusten oder Ungewissheit. Wo auch immer du gerade stehst: Gott sagt dir zu: Ich bin da. Ich komme zu dir. Mein Licht reicht auch für deine Dunkelheit.
Die Adventszeit ist ambivalent. Einerseits voller Hektik und Stress, denn bald ist Weihnachten, das Jahr geht zu Ende und so vieles muss noch erledigt werden. Andererseits voller Erwartung – auf Momente der Ruhe, des Friedens, der Einkehr und Heimkehr. Wie schön wäre es doch, wenn man diese Zeit von ganzem Herzen genießen könnte, zumindest jeden Advent-Sonntag. Warum eigentlich nicht? Vielleicht kannst du dir in diesem Dezember einen Moment der Stille schenken: eine Kerze anzünden, tief durchatmen und Gott sagen, was dich bewegt. Und vielleicht spürst du dann etwas von dem, was die Engel den Hirten verkündet haben: „Fürchtet euch nicht.“ Nicht vor dem, was war. Nicht vor dem, was kommt. Denn das Licht ist schon unterwegs – zu dir.
Ich wünsche dir einen gesegneten Advent und ein Weihnachtsfest voller Hoffnung, Nähe und Licht.
Text: Lothar Scheel
Bild: Chris Spencer-Payne auf Pixabay























