Sommerputz im Adventhaus, vom Keller bis fast unters Dach. Neben vielen, vielen Aufgaben warten allein im Gottesdienstsaal 68 Fensterflügel auf den jährlichen Reinigungstag. Die Hälfte davon Buntglasfenster. Schon in der Vorwoche waren viele fleißige Helfer in die Tiefen unseres Hauses eingetaucht.
Derweil werden in der Ukraine nicht nur Fenster zerstört, sondern ganze Häuser. Und Menschenleben. In Cherson stirbt an diesem Sonntag ein 48-jähriger Mann, als eine Drohne über ihm einen Sprengsatz fallen lässt.
Wir lackieren den Gabenschrank neu. Vier Jahre nach Inbetriebnahme platzt die Farbe. Jemand hat ein Strichmännchen drauf gemalt. Die Dose mit der Farbe trägt die Aufschrift Molotow -The Original. Im Ernst.
Die russische Ölraffinerie in Sysran, am Unterlauf der Wolga, wird durch Drohnen in Brand gesetzt. Die Raffinerie liegt zehn Kilometer südlich der Großstadt. Fassungslose Einwohner stellen Videos mit schwarzen Rauchwolken ins Netz.
Ich hole uns zwei Döner. Der Dönermann akzeptiert keine Karte, nur Bargeld. Ich schaue ihn an, mit großen Augen. „Der Staat kann Konto sperren“, sagt er zur Begründung. Eigentlich ist der Dönermann ganz nett.
Inzwischen tauchen die ersten Fensterputzer vom Vormittag wieder auf. Es ist Chorprobe im Adventhaus. Kantante 106 von Johann Sebastian Bach: Gotteszeit, Gotteszeit, ist die allerbeste Zeit. Ihn ihm leben, weben und sind wir. Solange er will, solange er will.
In der Straße von Hormus wird ein Tanker angegriffen. 23 Seeleute werden gerettet, einer wird vermisst. Oh Gott, wenn er noch lebt, lass ihn nicht mutlos werden.
Der WhatsApp-Status einer Glaubensschwester aus Venezuela ist heute leer. Vor zwei Wochen, nach den schweren Erdbeben, hatte sie Bilder von Überlebenden gepostet. Zuletzt von sich selbst, eine Frau, die das Leben liebt. Dios te ama, estás redimido. Lächle, Schwester, auch unter Tränen.
Der Gabenschrank wird heute nicht ganz fertig. Aber er wird schön. Wir sprayen mit Freude, und einer gewissen Zärtlichkeit.
Ich weiß nicht, wohin mit mir. Alles passiert gleichzeitig. In der Tageslosung finde ich Ruhe: HERR, du bist der Armen Schutz, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Tyrannen wüten. (Jesaja 25,4)
Text u. Foto: Andreas Schrock




