Im März ist Frühlingsanfang. Es ist die Zeit des Aufbruchs und des Neubeginns. Noch sieht die Landschaft karg aus – aber unter der Erde wächst bereits neues Leben.
Für viele ist der März auch Fastenzeit. Fasten bedeutet nicht unbedingt Rückzug und Verzicht, sondern kann auch eine Einladung sein, bewusster zu leben. Womit sind meine Tage ausgefüllt? Was bestimmt eigentlich mein Denken? Und was trägt mich wirklich?
Unsere Zeit verlangt klare Antworten und schnelle Lösungen. Das möchten wir für uns selbst auch gerne. Doch Leben lässt sich Zeit. Es lässt sich nicht machen und der Frühling kommt nicht, wenn wir es ihm befehlen. Er kommt, wenn er kommt, selbst wenn es mal etwas länger dauert, auch nach dem härtesten Winter.
Das Entscheidende geschieht oft verborgen und still, nicht spektakulär und laut. So wirkt Gott in der Natur und wohl auch in unserem Leben. Auch da geschehen wichtige Veränderungen und persönliches Wachstum meistens nicht plötzlich und über Nacht. Ob in einem Gespräch, in einem stillen Gebet, durch einen kleinen ersten Schritt der Versöhnung, den niemand außer uns bemerkt – immer braucht es Zeit und Geduld.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“, lautet das Jahresmotto der evangelischen Kirchen und Freikirchen in Deutschland für 2026. Die Fastenzeit könnte ja eine Einladung sein, sich wieder mehr Zeit für das Wesentliche zu lassen. Mal Überflüssiges weglassen und etwas Neues probieren, die Sinne schärfen und genauer hinschauen, hinhören und spüren, wo sich zarte Knospen neuen Lebens zeigen. Dazu gehört auch: Mehr aufs eigene Herz zu hören und sich weniger von anderen Meinungen bestimmen lassen. Mehr Stille und weniger Eile, mehr Aufmerksamkeit und weniger Ablenkung. Weniger Angst vor der Zukunft, dafür mehr Vertrauen auf den, der Zukunft verheißt und schafft.
Und dann geschieht etwas Merkwürdiges: Die Welt verändert sich nicht sofort – aber wir verändern unseren Blick. Und plötzlich entdecken wir mitten im grauen Alltag Zeichen des Lebens: ein ehrliches Lächeln, ein offenes Ohr, einen versöhnten Gedanken, einen Moment echter Ruhe.
Bald beginnt da draußen der Frühling. Aber er kann auch innen beginnen, im eigenen Herzen und in der eigenen Seele.
Text: Lothar Scheel
Foto: Peggychoucair auf Pixabay




























