In diesem Jahr erklingt in der Dresdner Kreuzkirche am Gründonnerstag und Karfreitag die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Die Musik führt uns tief hinein in das Geheimnis von Karfreitag und Ostern. Ob in der Matthäuspassion oder der Johannespassion – wir hören nicht nur eine Geschichte, sondern wir werden selbst hineingenommen: in das Leiden, das Fragen, das Erschrecken… und schließlich in die Hoffnung.
„O Haupt voll Blut und Wunden“ – diese bekannte Choralmelodie aus der Matthäuspassion lässt uns innehalten. Sie zeigt uns Christus in seinem Leiden. Verwundet, verspottet, verlassen. Und doch: In all dem liegt eine stille Liebe, die sich nicht zurückzieht. Jesus geht diesen Weg – für uns.
Die Johannespassion klingt an vielen Stellen anders: eindringlicher, dramatischer. Dort hören wir Jesus sagen: „Es ist vollbracht.“ Kein Schrei der Niederlage, sondern ein Ruf der Vollendung. In diesem Moment scheint alles zu enden – und doch beginnt genau hier etwas Neues.
Ostern ist die Antwort. Was in den Passionen noch dunkel und schwer klingt, wird an Ostern hell: Das Grab ist leer. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Trauer der Jünger verwandelt sich – langsam, vorsichtig – in Staunen und Hoffnung.
Vielleicht kennen wir solche Momente auch: Zeiten, in denen alles verloren scheint. Fragen ohne Antwort. Dunkelheit, die sich schwer auf das Herz legt. Die Passionen Bachs geben diesen Gefühlen Raum. Sie beschönigen nichts. Aber sie bleiben nicht dort stehen.
So wie die Musik am Karfreitag nicht verstummt, sondern weiterklingt, so geht auch Gottes Geschichte mit uns weiter. Ostern sagt: Gott lässt uns nicht im Dunkeln. Er verwandelt Leid. Er schenkt neues Leben – oft leise, oft unerwartet.
Manchmal beginnt es wie ein leiser Ton – ein Hoffnungsschimmer, kaum hörbar. Doch dieser Ton wächst…
So dürfen wir hören, glauben und hoffen:
Dass hinter jedem „Es ist vollbracht“ ein neues „Er ist auferstanden“ steht.
Dass das Ende nicht das Ende ist.
Dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod.
Gebet:
Herr, in der Tiefe des Leidens bist du uns nahe.
In der Dunkelheit lässt du uns nicht allein.
Öffne unsere Herzen für die Hoffnung von Ostern.
Lass uns hören, wie dein Leben neu in uns klingt.
Amen.
Text: Andrea Cramer
Bild: Unsplash | Pisit Heng














