Die Menschen im Umland von Dresden haben die Luftangriffe in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 auf eigene Art erlebt. Karin Kusch, geb. Buruck (Adventhaus Dresden) war damals vier Jahre alt und lebte mit ihrer Familie in Hänichen, südlich von Dresden:

„Wir wohnten im Schulgebäude, mein Vater war dort Direktor. Er war mit meiner Mutter zum Skatabend, die Frauen hatten ihre Extrarunde in einem Damenzimmer. Dann hörten sie Nachrichten, mein Vater sagte „Mir wird das zu brenzlig, wir gehen heim“. Auf dem Heimweg sah er die Christbäume, die Positionslichter, die die Bomber absetzten. Dann sind wir alle in den Keller der Schule und haben gewartet. Wir haben nichts gesehen, auch nicht richtig gehört. Es war auch kein Krachen, mehr ein Getöse. Es war ein Windzug, als würde jemand Durchzug machen. Es war ein Feuersturm. Meinem Großvater riss es die Haustür aus der Hand, so stark war der Sturm.

 Wir warteten im Keller. Da waren Soldaten, Franzosen und Holländer. Ein Holländer nahm mich auf den Schoß. Dann gab es einen Knall, das Fenster fiel in den Keller. Wir waren ganz still. Am nächsten Morgen sahen wir, dass in der Nähe eine Granate explodiert war.  Gegen halb drei gingen meine Eltern auf die Höhe und sahen die brennende Stadt. Sie glühte. Meine Mutter weinte.“

Die Zahl der Todesopfer unter den Adventisten in Dresden ist bis heute unbekannt. Die Nordostsächsischen Vereinigung listet 1949 im „Adventboten“ 31 Todesopfer auf. Die Chroniken berichten von 35 Gliedern und neun Kindern, die ums Leben kamen. Nach mündlicher Überlieferung sollen es 46 Glieder gewesen sein.

Gertraude Wehner (ehem. Adventhaus Dresden) verlor in dieser Nacht insgesamt 13 Familienmitglieder, in und außerhalb der Gemeinde. Die Lücken in der Familie sind bis heute – über 70 Jahre danach – deutlich spürbar.

Zusammenstellung A. Schrock

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