Die Dresdner Adventgemeinde ist noch jung und auch nicht besonders groß. Trotzdem entschließt man sich, ein Wohnheim für die „Friedensauer Schwesternschaft“ einzurichten.

Das Heim befindet sich in der Schnorrstraße 82, zwischen Hauptbahnhof und dem Gelände der TU Dresden. Zu den ersten Bewohnerinnen gehören die Schwestern Budnat und Elisabeth Reichstädt. Die „Friedensauer Schwesternschaft“ wurde am 19. Juli 1901 mit der Einweihung des Sanatoriums in Friedensau ins Leben gerufen. Die Anregung dazu holte man sich von den evangelischen Diakonissenhäusern des 19. Jahrhunderts.

Die Schwesternschaft entwickelte sich zum Berufsverband des adventistischen Pflegepersonals. Nach ihrer Ausbildung in Friedensau gingen die Schwestern in die Städte und übernahmen die Privatpflege von begüterten Leuten. Später kamen Einsätze in den Adventgemeinden und in Krankenhäusern hinzu. Bis zum Ende des 1. Weltkrieges gingen viele Schwestern auch in die Missionsgebiete, z. B. nach Afrika. Es gab also von Deutschland aus persönliche Verbindungen dorthin. Möglicherweise gewannen auch deshalb „Missionsberichte“ in den Gemeinden an Bedeutung.

Die „Friedensauer Schwesternschaft“ war Teil der so genannten adventistischen Gesundheitsbewegung. Die Schwestern fügten sich einem eigenen Regelwerk und trugen Tracht (die bis 1986 auch in der DDR in Gebrauch war). Viele entschieden sich, unverheiratet zu bleiben. Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich die Situation. Immer mehr auch verheiratete Schwestern schlossen sich der „Friedensauer Schwesternschaft“ an. Die Mitgliedschaft in diesem Berufsverband hielt sie zudem zusammen. Die regelmäßigen Treffen – zuletzt fand ein Treffen 2011 statt – galten dem Erfahrungsaustausch, Gebet und gemeinsamen Singen. Die letzte Leiterin, „Oberin“ genannt, in der DDR war Schwester Ruth Scholz. Sie gehört heute der Adventgemeinde Lichtenberg an.

Über den Weg der „Friedensauer Schwesternschaft“ speziell in Dresden ist leider wenig bekannt geblieben, außer ein Umzug von der Schnorrstraße in die Haydnstraße, ins heutige Adventhaus. Nach 1945 verliert sich die Spur fast völlig. Möglicherweise finden sich Dokumente, die mit weiteren Details die Zeitreise aufschlussreicher machen würden.

Zusammenstellung: A. Schrock
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